Exkursion in den Mischwald am östlichen Kaiserstuhl

„Das geheime Leben der Bäume“ ist ein Bestsellertitel von Peter Wohlleben. Dieses Buch hat vielen Menschen die Augen geöffnet für den Gesamtorganismus Wald, in welchem der Baum ein Einzelorgan, verbunden mit den anderen Bäumen und Pilzen, bildet. Das Buch aus dem Jahr 2015 hat eine Fangemeinde motiviert, Respekt vor der Leistungsfähigkeit und Empathie der größten (im Sinne der Höhe des Wuchses) und ältesten Lebewesen der Erde zu entwickeln und somit achtsamer mit Bäumen umzugehen.

Dass Pflanzen an unterschiedlichen Standorten und Klimabedingungen unterschiedliche Wuchsformen ausbilden, ist allgemein bekannt und Ihnen bestimmt auch schon aufgefallen.
Dass aber Bäume individuell auf Einwirkungen ihres nahen Umfeldes reagieren, wissen nur wenige, gewissenhafte Naturbeobachter.

Nachdem Bäume jedes Jahr einen neuen Jahresring und Leittrieb ausbilden, haben sie die Möglichkeit, kurzfristig auf Veränderungen zu reagieren. Wird z. B. ein Nachbarbaum gefällt, ergeben sich neue Entfaltungsräume: Ein neuer Kronenteil wird entwickelt und eventuell sterben dafür andere Äste ab.

Zur Vorbereitung eines Astabwurfes bildet der Baum vorbereitend einen so genannten „Abschiedskragen“ aus. Der Astabwurf passiert also nicht zufällig, sondern geplant und vorsätzlich.

Dort, wo erhöhte Spannungen z. B. durch einen Riss auftreten, wird Reaktionsholz gebildet. Aus der Form des Reaktionsholzes kann der sachverständige Naturbeobachter ablesen, was im Inneren des Baumes passierte und welche Absicht der Baum zur Reparatur eines Schadens verfolgt.

Überlebensstrategien von Bäumen:

Fremdkörper, wie z. B. ein Nagel oder eine Schraube, werden entweder adaptiert (eingeschlossen) oder abgeworfen.

Nach einem Hangrutsch richtet sich der geneigte Baum von selbst wieder auf.

Erfährt eine Seite der Krone einen höheren Winddruck als die andere, so dreht sich der Baum um die eigene Achse, damit die Unterschiede zur Erhaltung der Stabilität ausgeglichen werden.

Bekommen die Blätter eines Starkastes deutlich weniger Sonnenlicht ab als andere Teile der Krone, kann ein Laubbaum einen Ast umlegen, bis dass er in die entgegengesetzte Richtung zeigt und somit wirkungsvoller zur Erhaltung der Vitalität beitragen kann.

Durch das Zusammenwirken dieser und weiterer Mechanismen (Tropismen) entsteht die Gestalt eines Baumes.

Auf dieser Exkursion zeigt Martin Zeller, Wissenschaftler und Pionier auf diesem Fachgebiet, anhand der Körpersprache der Bäume in natura eindrucksvoll, was uns Bäume mit ihrer Gestalt über ihr Leben erzählen. Beim gemeinsamen Begehen der Mischwälder des Kaiserstuhls wird jedem Teilnehmer der Blick für die Körpersprache der Bäume und deren Interpretation – in der Fachsprache „Baumansprache“ genannt – geschenkt.

Für die Wanderung ist festes Schuhwerk erforderlich.

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